Oft gestellte Fragen - FAQs


Was ist ein Grundeinkommen?

"Bedingungslos heißt ein Grundeinkommen, das jeder Mensch erhält unabhängig davon, ob er oder sie reich ist oder arm, allein lebend oder in Gemeinschaft, jung, alt, krank oder gesund, mit oder ohne Erwerb. Jeder erhält ohne Ansehen der persönlichen Verhältnisse ein Einkommen für sein Leben in Selbstbestimmung und kultureller Teilnahme auf bescheidenem, aber nicht notleidendem Niveau.
Das bedingungslose Grundeinkommen baut nicht auf der Mentalität von Sozial- und Arbeitslosengeld auf, sondern kommt aus einer ganz anderen Richtung, nämlich aus einem freudigen Ja zur Potentialität und Selbstverantwortung jedes Menschen in seiner Würde." Quelle: www.initiative-Grundeinkommen.ch

Wer geht dann noch arbeiten?

"Das Grundeinkommen fördert einen Mentalitätswechsel, der gerade das Gegenteil eines trägen Abhängens bewirkt. Es kann mehr Flexibilität freisetzen und vielfältige, weitreichende, neue Antworten auf den aktuellen und zukünftigen Bedarf erlauben.

"Der Mensch ist von Natur aus faul. Ist für seinen Lebensunterhalt gesorgt, geht er nicht mehr Arbeiten. Das Grundeinkommen schafft ein Land von Frührentnern."

Würde das Grundeinkommen von Heute auf Morgen eingeführt, so könnte es sein, dass ein Seufzer durch die Gesellschaft geht und einige erst mal ausgiebig nichts tun. Doch das tun viele auch heute schon, nur nicht freiwillig - oder auf einem hohen finanziellen Niveau. Das Grundeinkommen ist kein Sozialgeld, das Ausgrenzung symbolisiert und Depression auslöst, sagt nicht, dass ich als Verlierer übergangsweise auf Wohltaten angewiesen bin und mich wieder eingliedern soll in die Gesellschaft, indem ich mich selbst versorge. Das bedingungslose Grundeinkommen ermöglicht jedem ein Handeln aus der eigenen Intention.
Wo Arbeit nur dem Zwang ausliefert, wo sie weitgehend sinnlos und die eigene Entwicklung blockierend erlebt wird, ist Faulheit eine ganz gesunde Reaktion. Die Faulheit wird den Menschen antrainiert, die Eigenaktivität – und Muße – hingegen ausgetrieben.
Von Natur aus will fast jeder Mensch arbeiten, weil Arbeit sein relevanter Ausdruck ist, sein Mitgestalten in der Gesellschaft, sein Sinn für Andere und damit auch für sich selbst, weil sie Kommunikation ist, der Spiegel seiner Fähigkeiten und der Ort ihrer Anerkennung.
Das bedingungslose Grundeinkommen würde dazu führen, dass vieles als Arbeit anerkannt und durchgeführt werden kann, was heute ein Schattendasein fristet, dass differenzierter und innovativer gearbeitet wird und mit mehr Zuneigung, auch mit nachhaltigerer Effizienz.
Zudem hebt das Grundeinkommen nicht den finanziellen Anreiz für die Arbeit auf. Wer mehr will oder braucht als das Grundeinkommen – und das werden viele sein – wird dies nach wie vor in der Erwerbsarbeit suchen. Ein hohes Einkommen bleibt erstrebenswert wie heute. Wer aber jenseits von Erwerbsarbeit tätig sein will für andere oder sich selbst, wer außerhalb kaufkräftiger Nachfrage Neues schaffen will oder Altes ordnen, kann dies tun. Das ist nichts Anderes als menschengemäß." Quelle: initiative-Grundeinkommen.ch

Wer macht dann die Arbeit, die keiner machen will?

"Einerseits müssten Arbeiten, die keiner machen will – obwohl sie notwendig sind – besser bezahlt werden. Das bedingungslose Grundeinkommen kann gerade auch den Blick frei machen für den Wert solcher Arbeiten.
Andererseits würden Unternehmen, die fragwürdige Produkte herstellen, Arbeitgeber, die fahrlässig gegen Menschen und Umwelt handeln und das Wort Ethik nur aus der Werbung kennen es schwerer haben als heute, Leute zu finden, die das mitmachen. Sie werden verstärkt finanzielle Anreize setzen müssen. Das machte ihre Waren oder Dienstleistungen teurer und wirkt sich so auf den Wettbewerb aus.
Das bedingungslose Grundeinkommen hat Einfluss auf die Wertschöpfung. Es stärkt die Nachfrage nach bedarfsgerechter Produktion und Dienstleistung im Zusammenhang mit den Geschehnissen der Zeit. Es hilft, verkrustete Machtstrukturen abzubauen. Es schützt die persönliche Lebensführung vor der Allmacht des Geldes. Es spricht jedem die Wertschätzung zu, Unternehmer der eigenen Biografie zu sein. Es gibt die Chance zu neuen Biografien, ob im betrieblichen Kontext, im Einzelnen für sich oder in freier unternehmerischer Kooperation." Quelle: initiative-Grundeinkommen.ch

Wer soll das bezahlen?

"Ein Grundeinkommen ist finanzierbar, wenn man es will. Wenn man es nicht will, ist es nicht finanzierbar. Die Nichtfinanzierbarkeit ist zunächst der Ausdruck dessen, dass man es noch nicht will. Ein Grundeinkommen kann nur aus einer demokratischen Willensbildung in die Tat umgesetzt werden. Und die wird immer Überraschendes bieten durch die Menschen und ihre Ideen, auch entgegen Vermutungen.
Zwei diskutierte Finanzierungsmodelle sind:

- Negative Einkommensteuer
- Konsumsteuer

Negative Einkommenssteuer
Die englische Ökonomin Juliet Rhys-Williams entwickelte Anfang der 40er Jahre die Grundzüge einer negativen Einkommenssteuer zu Grundsicherung des ärmeren Teils der Bevölkerung. Milton Friedmann konkretisierte das Modell und brachte es Anfang der 60er Jahre in den USA in die Nähe einer staatlichen Einführung.
Das Modell sieht vor, eine Einkommenshöhe für den einfachen Lebensbedarf zu fixieren. Wer ein deutlich höheres Einkommen erzielt, muss davon mehr als heute an die Gemeinschaft abgeben, wer ein geringeres erzielt, bekommt die Differenz von der Gemeinschaft hinzu. So soll jeder steuerpflichtigen Person ein Einkommen sicher sein, das zumindest dem Grundlebensbedarf entspricht. Was den schlechter Verdienenden dazugegeben wird, heißt negative Einkommenssteuer.

Sie ist keine Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens für jeden, sondern konzentriert Transferleistungen für die Bedürftigen. Sie verbleibt in der Mentalität des Armengeldes und belastet die Leistungsseite. Gering entlohnte Arbeit und Nichtarbeit wird finanziert aus besser bezahlter Arbeit. Das provoziert einen Widerspruch. Wenn immer mehr Menschen immer umfänglicher negative Einkommenssteuer beziehen – was auch wünschenswert sein kann – belastet dies die schrumpfende Erwerbsarbeit überproportional und demotiviert die Einsatzbereitschaft. Die negative Einkommenssteuer führt nicht aus der Stigmatisierung heraus. Sie meint das würdige Leben jedes Menschen und sein gesellschaftlich gespiegeltes Recht darauf, dieses nach eigener Maßgabe zu führen, vertut sich aber in einer polarisierenden Auffassung sozialer Gerechtigkeit. Die geht hier zu Ungunsten der Leistungsseite aus. Leistung zu besteuern wirkt leistungshemmend. Sie basiert auf einer heute anachronistischen Annahme stabiler Erwerbsarbeit. Deshalb schlagen wir vor, den Blick auf die Konsumsteuer zu richten.

Konsumsteuer
Es liegt ein Widersinn darin, bereits aus der Wertschöpfungsreihe Steuern zu ziehen, obwohl erst das Endergebnis der Wertschöpfung ihr Gültigkeit gibt. Die Ware also oder die entgegengenommene Dienstleistung. Für die Zukunft ungeeignet ist es, das Leistungsgeschehen für andere zusätzlich mit steuerlichen Abgaben zu belasten, denn Arbeit ist bereits ein Beitrag zum gemeinschaftlichen Wohl. Erst dort, wo die Ergebnisse der Leistungen in den Verbrauch gehen, kann der Staatsanteil sich geltend machen. Beim Konsumenten also, in der Konsumsteuer.

Dr. Benediktus Hardorp und Prof. Götz Werner aus Deutschland schlagen vor, ein bedingungsloses Grundeinkommen aus einer hohen Mehrwertsteuer zu finanzieren. Alle übrigen Steuern werden dafür abgeschafft. Ohnehin finden sich die steuerlichen Abgaben, wie Einkommens- und Gewerbesteuern, in den Preisen wieder. Bezahlt haben sie schon immer die Konsumenten. Mit der Konsumsteuer als einziger Steuer ist die Staatsquote nur deutlich ausgewiesen. Mit den entfallenden Steuern auf die Herstellung würden die Nettopreise sinken. Hinzu kommt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen sich auf die verhandelbare Höhe von Löhnen und Gehältern auswirkt, was die Herstellungskosten noch einmal sinken lässt. Für den Konsumenten blieben die Preise trotz erheblich höherer Mehrwertsteuer und der Kosten für das Grundeinkommen auf vergleichbarem Niveau. Dies nicht zuletzt auch durch Einsparungen. Alle heutigen Arbeitsplatzsubventionen und Sozialgelder fielen weg. Desgleichen Steuerschlupflöcher, der Geldabfluss durch Anlagen zum Steuersparen, die in der Wirkung für andere Armut schaffen. Ein Großteil des Apparates zur Steuerberechnung könnte eingestellt werden, wie auch die Verwaltung von Arbeitslosigkeit und Sozialnot. Viel unproduktiver Aufwand könnte gestrichen werden. Ein Grundeinkommen in kulturtauglicher Höhe brächte Entspannung auch im Sicherheitsdruck und Versicherungsdenken.
Die Zusammenführung aller Steuern in der Konsumsteuer führt zu einer Verbilligung inländisch erzeugter Produkte auf dem Weltmarkt. Denn in anderen Ländern kommt weniger Mehrwertsteuer auf den Nettopreis. Ausländische Produkte hingegen werden im Inland teurer. Das bremst die ungleiche Konkurrenz aus Tieflohnländern und holt Arbeitsplätze zurück ins eigene Land.

Wie weit die Konsumsteuer für verschiedene Produkte und Dienstleistungen unterschiedlich hoch sein soll, ist eine Frage der politischen Steuerung. Steuern auf Börsengewinne und Devisengeschäfte (z.B. Tobin-Steuer) sind weitere Themen.

Die Konsumsteuer in dieser klaren Ausprägung hat zudem den Nebeneffekt, dass die Wertschöpfungskette nicht wie heute mit Konsumartikeln verwechselt wird. Kauf und Verkauf von Unternehmensanteilen, das tritt deutlicher als Missverständnis zu Tage. Denn Ware ist erst, was als Ergebnis der Leistung zum Verbrauch kommt. Die Leistungsreihe selber samt den Menschen und ihrer Arbeit ist keine Ware und kann auch nicht zur privaten Verfügung als Eigentum gehandelt werden. Eine umfassende Konsumsteuer würde deutlich machen, dass es eine Produktionsseite gibt, die aus der schöpferischen Initiative und der im Kern gemeinnützigen Arbeit für andere besteht, und eine Konsumseite, die privates Eigentum für den eigenen Verbrauch erwirbt. Die Konsumsteuer markiert die Schnittstelle.

Die Vision ist: Ein Grundeinkommen als soziale Mehrwertsteuerrückvergütung!"
Quelle: initiative-Grundeinkommen.ch

Ein  herzlicher Dank an Daniel Häni und Enno Schmidt, mit deren freundlicher Genehmigung zitiert werden durfte. Wer sich vor Ort weiter informieren  möchte: www.Initiative-Grundeinkommen.ch

Wird fortgesetzt

 

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